Analog Computers

Reference / Paper · 1965

Führungsverhalten des vierrädrigen Straßenfahrzeugs bei Regelung des Kurses auf festgelegter Bahn

Read the PDF (6 pp) ↗ Read the English translation →

A 6-page German journal article (Regelungstechnik, Vol. 13, No. 5, 1965) analyzing the guidance behavior of a four-wheeled road vehicle under automatic course control. Drawing on Fonda's vehicle differential equations and classical control theory, the author derives transfer functions for lateral and yaw dynamics, compares mechanical/optical/electrical guidance systems, and shows via analog computer simulation that a lateral-deviation controller is poorly damped. A new controller architecture using curvature difference as the primary control variable eliminates the destabilizing 1/p² geometry element and achieves acceptable stability; FM modulation of the guidance cable supplies curvature set-point information to the vehicle.

Manufacturer
VDI/VDE
System
Automatic highway vehicle guidance
Author
W. Zimdahl
Year
1965
Type
Reference / Paper
Language
German
Learning track
specific applications
Pages
6
  • Automatic highway vehicle guidance
  • VDI/VDE
  • automatic vehicle guidance
  • control theory
  • analog computer simulation
  • lateral dynamics

← Back to the Reference Library

Führungsverhalten des vierrädrigen Straßenfahrzeugs bei Regelung des Kurses auf festgelegter Bahn

Begelungste(hnik z E t r s c H R t r r p ü R s r E u E R N ,R E G E L N UNDAuroMATrstEREN O r g a nd e rV D I / V D E - F a c h g r u pRp e g e l u n g s t e c h ndi k e ,s A r b e i t s a u s s c h u s sR es egelungstechnik i m D N A u . d e rN A M U R( N o r m e n a r b e i t s g e m e i n s fc.hMaef tß -u , R e g e l t e c h ni i.kd . c h e m I, n d u s t r i e ) . U n t e r M i t w i r k u n gv o n D r . - l n S .H . J , A l t e n h e i n ,O b e r i n g e n i e u Kr, B e s t e r ,D r , - l n g .O , G r e b e , D r . - l n g .H . H e n n i n g ,D r , p h i l ,n a t . H , K a u f m a n n ,P r o f , D r . - l n g .K . K ü p f m ü l l e r ,G e r dM ü l l e r , D r . - l n g ,R , O e t k e r ,P r o f ,D r . - l n g .W . O p p e l t ,D i p l . - l n g .H , S c h i n k ,D r . p h i l .B . S t u r m ,D r . - l n g . H . T o e l l e r ,P r o f . D r , E . W i n t e r g e r s t S c h r i f t l e i t u nK g. F . F r ü h H e r a u s g e g e b evno n P r o f . D r . - l n g .H A N S S A R T O R I U S IM VERLAG R.oLDENBoURG. MÜIIcneru l3.JAHRGANG 1965 SEITE 221-268 nerr 5 Führungsverhqlten des vierrädrigenStroßenfqhrzeugs bei Regelungdes Kurses J ouf festgelegterBohn l) Von W. ZIMDAHL, Darmstadt Im uergangenenJaltrzehnt ist uiel über die sogenannte ,,automatische Autobahn" geschrieben und gesprochen worden, auf der ein ntit entsprecllendenEinrichtungen uerseltenesKraftfahrzeug stets auf einer uorher festgelegten Fahrspur geführt wird. In dieser Arbeit soll uersucltt werden, die Aufgabenstellung und die bisher uorgeschlagenen Lösungen sowie auch eine neue Lösung uon der regelungstechnischen Theorie her zu durchleuchten, wobei uon besonderemInteresse der Istwert-SollwertVergleich ist, also der Vergleich desgefahrenen l[/eges mit dem uorgeschri ebenen. In recent years many papers haue beenpublished about the socalled "automatic highway", where a uelticle, equipped with tlte required deuices, is guided along a pre-established line at the center of the highway. In this paper the problems and their solutions - those proposed in the past as well as a new one suggestedhere - shall be discussedfrom the point of uiew of control theory. Of particular interest is the comparison of the actual uehicle path (trajectory) with the prescribed guide-line. 1. Einleitung In den letzten Jahren sind viele experimentelle Untersuchungen über die Bewegung des vierrädrigen Straßenfahrzeugs bei automatischer Führung angestellt worden. Theoretische Untersuchungen zu diesem Problem sind aber kaum vorhanden oder unbrauchbar. Der Grund dafür ist nicht so sehr eine ungenügende Kenntnis der Regelstrecke, nämlich des Fahrzeugs. So konnte Fonda in seiner Arbeit aus dem Jahre 1957 [l] an Hand eines Ersatzbildes des Fahrzeugs Differentialgleichungen aufstellen, die die Hauptbewegung des Fahrzeugs mit genügender Genauigkeit beschreiben. Man hat auch oft versucht, sich die etwas weiter fortgeschrittene Theorie über die Bewegung von automatisch gelenkten Flugkörpern zunrrtze zu machen, aber vielfach ist man dann von falschen Voraussetzungen ausgegangenund hat unzulässige 1) Gekürzte Fassung einer Diplomarbeit, die am Institut für Regelungstechnik der TH Darmstadt (Professor Dr.-Ing. ll. Oppelt) unter der Betreuung yon Dipl.-Ing. F. Fraalr ausgeführt wurde t Vernachlässigungen getroffen, so daß die entsprechenden Arbeiten als unbrauchbar bezeichnet werden müssen. In dieser Arbeit soll in einem ersten Abschnitt das Verhalten des Fahrzeugs auf Grund der Theorie von Fonda [] untersucht werden. In einem zweiten Abschnitt wird die Verbindung Straße-Fahrzeug über Leitsystem und Meßfühler besprochen,in dem letzten Abschnitt werden dann Lösungen des Problems vorgeschlagenund untersucht. 2. Das Fahrzeug a) Vereinfachungen Zunächst sollen einige Vereinbarungen über Vernachlässigungen getroffen werden. Entsprechend den sechs Freiheitsgraden, die ein Körper im Raum hat, kann ein Straßenfahrzeug sechs verschiedene Bewegungenausführen (Bild 1). Mit den Bezeichnungenvon Bild 1 sind das: drei Translationsbewegungen in Richtung der x-Achse: Vorwärts- oder Längsbewegung (rr), in Richtung der y-Achse: Seiten-oder Querbewegung(u), in Richtung der z-Achse; lt "' CD/ Bild 1. Die Lage desfahrzeugbezogenen Koordinatensystems. 222 . ljeft 5 (13.Jahrgang1965) ßegelungstethnik g:c^ o,:f,{ji: drei Rotationsbewegungen um die x-Achse:Rollen (p), um die y-Achse: Nicken (r,), um die z-Achse: Gieren (7). Die BahngeschwindigkeitV ergibt sich damit zu v 2 : u z + u 2, MV (a'-x) p+a'C D mit (1) Ein Gleichungssystem für sämtlichesechsGeschwindigkeiten aufzustellenist sehr schwierig. Dies ist auch oft gar nicht nötig, da z. B. Nicken und Bewegungin z-Richtung für Betrachtungender Seitenstabilitatohne Interessesind und auf D : k2M2 v p2+ MC (a'b' + kz+ x2)p die Bewegungenin den anderenAchsen nur einen sehr geringen Einfluß ausüben.Außerdemkann man die Anzahl der re) +c(a'b'?+xMvl. \// benötigtenGleichungennoch um eine reduzie.en,wenn man den SchiebewinkelB einführt mit ,rr Die Winkelgeschwindigkeit coder Schwerpunkthalr: l1 tan ' u 11:- t2") ö._ a:t+|:t +F ,l0) oder oder im Bildbereich t1 (2b) 'u @:y+p'p-p(0). ,ll) für kleinep. Da bei der Berechnung des Frequenzgangsdie Anf.rnsWenn nötig, kann die absolute Größe der Geschwindig- bedingungen Jt, unberücksichtigt bleiben,ist keiten z und u mit Hilfe der Gleichungen u : V ' s i nß u n d F*.ä: + : L * 0 . 4 : F , t p . F p , Qc) ö ö u : v ' c o su bestimmt werden. Kohr 121fand als eines der ErgebnisseseinerVersuche,daß die Rollbewegungeinen relativ schwachenEinfluß auf das Gieren und die Seitenbewegung hat; aus diesemGrunde soll hier auch die Rollbewegungunbeachtetbleiben. b) Fahrzeuggleichungen Für die so verbliebenenzweiVariablen Giergeschwindigkeit 7 und Seitengeschwindigkeit u glbLFonda [1] die beidenfolgenden Differentialgleichungenan : F,:Ce' k 2M V p 2+ a 'C ( b ' + x ) p + a ' C V k 2M 2 v 2 p 2 * M C V ( a ' b ' + k 2 + x 2 )p + C ( a ' b ' C + x r I | I"y+ Niy+xMVa:a'Ct6 . (3b) Hierin sind: d der mittlere Einschlagwinkel der Vorderräder, im folgenden Lenkwinkel genannt, sowie M, C, Cn, 17, Nu', x v,nd a' konstante Größen, die das Fahrzeug beschreiben. Mit ut) ,x-:tanBxB (4) : t c) Übergangsfunk t ionen und Pol-Nullstellenuerteilungen Aus den Differentialgleichungen werden nun die Übergangsfunktionen ermittelt. Zunächst soll dies -wegen der Wichtigkeit des Falles - für einen mit konstanter Geschwindiskeit anwachsenden Lenkwinkel geschehen: *,(,.+)*,(+-.+):,^u , (3 a) tllr ö:d't mit 3 t R d:konst. Mit den bekannten Methoden der S-Transformation erhält man in allen drei Fällen ein Ereebnis der Form f ( t ) : f , ( t ) +f r ( t ) , (ll) wobei der ersteTerm die Form f '(t):ct'(t-T) (l{) /,t d s( dr IDI IS F al al el für kleine p und R Fr I":k'M werdendieseGleichungenzu a) . Zr de / "\ M V( y +ß ) + c lß - i y l : C o ö , \// (5) k2Mi + Nly + xMV (y+ ß): a'c eö. (6) AU ell de Mit Hilfe der ,8-Transformationerhält man aus den beiden Differentialgleichungen(5) und (6) die Frequenzgänge'. Sy bt B€ - 8{B} ß "p: gTö):5- elr Dr (7) Bild 2. Übergangsfunktionen fnr 0, f, y und a bei einem Lenkwinkelsprung d : ds für / : 0. fer Di St l. Heft 5 (l3.Jahrgang ßegelungstethnih 1965).223 hat und der zweite die Form fr(t):cr'e '' Modellanlagen in verkleinertemMaßstab bei geringen Geschwindigkeiten. +cr'e r' ( 1 s a ) c) ElektrischeSysteme[3], [4], [5], [6], [7] bzw. Von diesensind mehrereAusführungsformenals Modell- und f r ( t ) : C o ' Q - " ' ' s i n( r a *l E ) . (1sb) Versuchsanlagenverwirklicht worden, sowohl in verkleiner- Der Ausdruck /, stellt also die Antwort des Fahrzeugs für 7 + ;n dar,/, beschreibt den Einschwingvorgang. Die Lösungen für einen Lenkwinkelsprung d : öo ztr Zeit / : 0 sind vollkommen analog aufgebaut, nur daß hier der Term /, eine Konstante, der Beharrungswert, ist. Bild 2 stellt einen möglichen qualitativen Verlauf der vier Funktionen p, B,i, und ro für einen Lenkwinkelsprung d : ön fürl:0dar. Zum Abschluß dieses Abschnittes sei im Bild 3 eine PolNullstellenverteilung (in Abhängigkeit von der Bahngeschwindigkeit Iz) wiedergegeben. t5 5,4 120r0 90150 lr^l tem Maßstab als auch in naturgetreuerGröße. Die elektrischen Systemehaben die größten Aussichten auf eine zukünftige Verwendungin der Praxis. Bei den meisten elektrischenSystemenwird ein Leitkabel (guidancecable) unter der Mitte der Fahrbahn verwendet; dieseswird mit niederfrequentemWechselstromgespeistund wirkt so als Antenne mit kleinemWirkungsbereich.In zwei Spulen am Wagen wird eine Spannunginduziert, die unter anderemvon der Entfernung der Spulen vom Leitkabel abhängig ist. Die Differenz dieser beiden Spannungenist die Regelabweichung;sieist Null, wenn beide Spulengleichweit vom Leitkabel entfernt sind. Sind die Spulenin Bezugauf die Längsachsedes Wagenssymmetrischangebracht,so ist die RegelabweichungNull, wenn sich die Längsachseüber dem Kabel befindet (Längsachseparallel zum Kabel). Bei optimaler Anbringung der Spulen ist der Nulldurchgang der Differenzspannung,die die Regelabweichungdarstellt, sehr steil. Je nach Konstruktion wird die Differenzspannungin einemengenoder weitenBereichfast linear abhängigvon der seitlichenVerschiebung(Querabweichung). 60 901 r20 4. MathematischeBehandlungdesRegelsystems Bild 3. Nullstellen und Pole für rr.r/d.Volkswagenmit vier personen, Parameter:Vinkmlh, x: Pole,0: Nullstellen. 3. Die Verbindung zwischen Straße unil Fahrzeug ,ll Der Verlauf der Fahrbahn ist die Führungsgröße für das Regelsystem Straße-Fahrzeug. Bei selbsttätiger Regelung des Kurses auf festgelegter Bahn wird die Verbindung zwischen Straße und Fahrzeug durch das Leitsystem hergestellt: der vorgegebene Fahrweg, der zu jedem beliebigen Zeitpunkt den Sollwert für die Seitenlagedes Fahrzeugs darstellt, ist auf der Fahrbahn in irgendeiner Weise markiert; durch am Fahrzeug angebrachte Meßfühler wird diese Markierung abgetastet, um so aus der Soll- und der Ist-Lage die Regelabweichung zu bilden. Über einen Regler wird dann durch einen Eingriff am Stellglied, der Lenkung, versucht, die Regelabweichung zu Null zu machen. Folgende Leitsysteme können in Erwägung gezogenwerden: ct) Mechanische Leitsysteme Zur Führung eines Fahrzeugs mit mechanischer Abtastung des Soll-Fahrwegs kann eine Nut oder eine Schiene in oder auf der Fahrbahn dienen; ebenso können eine Schiene oder ein Draht über der Fahrbahn benutzt werden. Für diese Art der Führung eines Fahrzeugs gibt es wenig Beispiele; das System ist auch für hohe Geschwindigkeiten ungeeignet. b) Optische Leitsysteme Bei diesen Systemen dient ein Streifen auf der Fahrbahn, der eine andere Farbe hat als diese, zur Führung des Fahrzeugs. Der Streifen wird von zwei Fotozellen abgetastet, die Differenz ihrer Ausgangsspannungen bildet dieRegelabweichung. Diese wird dann einem Regelverstärker zugeführt, der den Stellmotor für die Lenkung speist. Auch hiervon gibt es 1r Von der Betrachtungeiner Längsregelungzum Zweckeeines konstanten Abstands vom vorausfahrendenFahrzeug oder eines ähnlichen Kriteriums sei hier abgesehen,da die Problemedabei völlig anderesind als bei der Querregelung.Die Geschwindigkeitdes Fahrzeugswerde intern geregelt,wobei je nach Bedarf geeigneteSollwerteeingestelltwerden.Damit geht die VorwärtsgeschwindigkeitVo in die folgende Rechnung nur als Parameter ein. Für die mathematischeBehandlungdes Problemsbedarf es zunächst eines geeignetgewähltenKoordinatensystems. KartesischeKoordinaten haben zwei schwerwiesende Nachteile: 1. Eine Funktion y (x), die einenbeliebigenFahrwegexplizit darstellen soll, kann durchaus vieldeutig sein (schon bei dem einfachenFall der Kreisfahrt ist dies gegeben). 2. In der Regelungstechnikwird ein Systemoft durch seine Übergangsfunktion gekennzeichnet.Hierbei wird seine (bei einemRegelkreisz. B. die FührungsEingangsgröße größe)sprunghaftverstellt.Bei der DarstellungeinesFahrwegsin kartesischenKoordinaten würde dasalsobedeuten, daß z.B. bei stetigerAnderung von x sich y sprunghaft ändert von y, a:uf /21 wirs aber eine physikalischeund technischeUnsinnigkeit ist. WegendiesergroßenNachteile sollen für die mathematische Behandlung des Problems folgende Koordinaten gewählt werden: Krümmung z und Weg s. Der Fahrweg wird also dargestellt durch die Krümmung in Abhängigkeit vom zurückgelegtenWeg x (s), wobei der zurückgelegteWeg von einem beliebigenPunkt des Fahrwegs gerechnetwird. Die beiden Nachteile der kartesischenKoordinaten treten nicht auf: 1. Die Funktion z (s), die einen Fahrweg explizit darstellen soll, ist eindeutig,da s eindeutigist. Ein Vorteil ergibt sich noch: .r ändert sich stetig mit der Zeit beim Befahren des Fahrwegs;im einfachenFalle einer konstantenGeschwindigkeit ist sogar s proportional der Zeit t. 224' Heft 5 (l3.Jahrgang1965) ßegelungstethnih 2. Zv Atfnahme von Übergangsfunktionenkann z sprunghaft geändertwerden.In der Praxis bedeutetdas, daß sich der BahnradiusdesFahrwegssprunghaftändert, ein Übergangvon z:0 mit dem auf x: xo ist gleichbedeutend Übergangvon der Geradeausfahrtin eine Kreisfahrt. Ein weitererVorteil ist der, daß - bei idealemMeßgliedund Regler - eine sprunghafteAnderung vorr 2r ebenfallseine sprunghafte Anderung des Lenkwinkels zur Folge hat, so gesehendaß - vom Standpunkt desRegelungstechnikers die Größen z und ö nur durch eineKonstante,nicht aber Funktion durch eine Nichtlinearitätoder einezeitabhängige verknüpft sind. a) Reglereingangist Querabweichung Fohrzeug Geometrie Bild 5. Blockschaltbildeslinearisierten Reselkreises. Schon bei der Betrachtung diesesBildes liegt die Annahme nahe, daß der Kreis ohne Hinzunahmevon Hilfsregelgrößen schwer zu stabilisierensein.wird, daß er sogar unter IJmständenauf Grund des Gliedesl/p2 strukturinstabilwerden kann. Oppelt deutet in seinem,,Kleinen Handbuch" [8] auf der Seite 164 schonan, daß dieseMöglichkeit bei Fahrzeugregelungenallgemeingegebenist und zeigt es an Hand eines Beispiels,siehe[8], Seite467. Der Einfachheit halber sei für den Regler reinesP-Verhalten angenommen;es ist einleuchtend,daß die Hinzunahmeeines weiterenI-Anteils im Regler oder sogar schoneine zu große Zeitkonstantedie Stabilität wesentlichverschlechternkönnen. Mit den oben genanntenVoraussetzungenkann man nun in die mathematischeBehandlungdesProblemseintreten. In der Praxis wird bei den bisher gebautenAnlagen durch die Meßfühler der Abstand des Leitkabels von der Wagenlängsachsegemessen,also der Ordinatenwertypo desjeweils nächstenLeitkabelpunktesin einemfahrzeugeigenenkartesischen Koordinatensystem,das hier mit (xr, yp) bezeichnet Der Frequenzgangdes Fahrzeugshat folgende Gestalt: wird (sieheauchBild l). Da aberin der RechnungSoll-und Ist-Fahrwegdurch zo (ss)bzw. zt (st) dargestelltwerdensollen, ist ein umfangreicher mathematischerApparat notwendig, um aus zo (so)und zt (st) die RegelabweichunB (1 8 ) ./r'o zu berechnen.In dem im Bild 4 gezeigtenBlockschaltbilddes Regelkreises soll der gestrichelt gezeichneteKasten die Durch eingehendere Berechnungen an Hand der Daten wirkIJmrechnungandeuten. a I licher Fahrzeuge (diese Daten wurden den Aufsätzen von Mitschke [9] und Gauß-Wolffll0l entnommen) konnte gezeigt werden, daß die Nullstellen des Frequenzgangs für etwa V > 20 km/h konjugiert komplex sind (o2 Realteil, arlmaginärteil der Nullstelle); ferner sei ein übersteuerndes Fahrzeug angenommen, das aperiodisches Übergangsverhalten mit den Zeitkonstanten Tt, T, zeigt. Bild 4. Blockschaltbilder Querregelung. Somit wird der Frequenzgang F0 des offenen Kreises: Das Ergebnisder Berechnungvon -/ro aus Ax und p ist ein System zweier nichtlinearer, inhomogener Differentialgleichungen, in denenAusdrückeder Form/t (t)'fr(t) vorFalle nicht lösbar. kommen;es ist im allgemeinen Um im Rahmen dieserArbeit wenigstenszu einer Abschätzu kommen, werden folgende zung des Regelkreisverhaltens Vereinbarungengetroffen: Zo seikonstant,Gliedermit 1. Die Vorwärtsgeschwindigkeit (/ x)2 können vernachlässigtwerden. 2. Der SchiebewinkelB sowie seine zeitlichen Ableitungen seienNull. 3. Außerdem beschränkeman sich auf sehr kleine Abweichungendes Ist-Fahrwegsvom Soll-Fahrweg. Damit lassensich die ursprünglich sehr komplizierten Differentialgleichungenwesentlich vereinfachen,das Ergebnis lautet: (16) jlro: -Vzo'lx mit /x:xo-var, oder in der Frequenzgangdarstellung: - loo r .',a : -x- -p: " v3 --. (r7) Durch dieseAbschätzung,die nur sehrgrob ist - das muß noch einmal ausdrücklich betont werden -, wird also der Kreis linearisiert.Mit Hilfe der Gl. (17) kommt man nun zu dem im Bild 5 gezeigtenBlockschaltbilddes Kreises. / v2\ . 2oI+-P+= D2 .0s) t, l-#) K^K".ffi Fo:(- Die charakteristischeGleichung des Regelkreiseslautet: f I -Fo:0: tv --r r rz v2f T r T 2 p a l - ( T r 1 - T z ) p 3f 1+1L t l $ r 3 L@;l l K " l K " V | ' -2-oz-o + l K p l K r v z s mit K^>0. +' ' | - - ^ t - ^ s - u E ' l lpt (20) a"- In der charakteristischenGleichung sind zwar alle Koeffizienten vorhanden, der Regelkreis ist also nicht strukturinstabil, er hat aber die Tendenzdazu, denn mit wachsender Geschwindigkeit Zo wird der Koeffizient von p kleiner (da o, kleiner und a.l2größer wird, siehehierzu Bild 3), während alle anderenwachsenoder annäherndgleich bleiben. Der vollständigenichtlineare Regelkreisohne die Vernachlässigungender Gln. (16) und (17) wurde auf dem Analogrechner simuliert. Zahlenwerte für die Fahrzeuggrößen wurden den schon zitierten Aufsätzen [9] und [10] entnommen. Das Bild 6 zeigt als ErgebnisdieserSimulierungÜbergangsfunktionendes Regelkreisesbei einem Sollwertsprung von der Geradeausfahrt von z0 : 0 auf %o: xoo(Übergang in einenKreisbogen).Hierausersiehtman, daß dasFührungsverhalten des Systems schlecht ist, denn die Übergangsfunktionen zeigen mehrmaliges starkes Überschwingen. ßegelungstedtnihHeft 5 (l3.Jahrgane1965). 225 Damit ergibt sich ein Regelkreisnach Bild 7. In ihm besteht der Regler aus zwei Kanälen. Der ersteKanal ist Fn*: cr + 92 und erhält als Eingang die Krümmungsdifferenz Ax, der zweite ist Faa : cs und erhält als Eingang die Querabweichung .yF'. Die Gesamtverstärkungdes Reglers wird durch K eingestellt,mit den ci werden die einzelnenAnteile verstellt. Der Frequenzgangdes Reglerswird damit zu r^:K.{ / rr? \ / . .v2\ oI F ^ u + ! } . F ^ o} : r . ( c , 1 2 a l r ' p p 2 p \ / \ )' F "" p: K' . c , V 3 + c r P + c ' , P . 2 t) ' r I '- I (22) Durch die Hinzunahme des Anteils Fnlr rücken zwei NullBild 6. Übergangsfunktionen desRegelkreises bei Sollwertsprung stellen aus dem Unendlichen in den endlichen Bereich der von zo : 0 aUfxo: xoo. p-Ebene. Für den Fall, daß cz : 0 ist, werden diese Nullstellenaber entwederrein imaginär, oder eine von ihnenhat Außerdemerkennt man, daß der Kreis stark nichtlinear ist: einen positiven Realteil: der letztere Fall bedeutet (monodie Schwingungenklingen zunächstauf, dann ab. tone) Strukturinstabilität des geschlossenenKreises, der Man könnte versuchen,das Führungsverhaltendurch Auf- erstere Fall ergibt - je nach Lage der anderen Pole und schaltenvon Hilfsgrößen zu verbessern,so z. B. durch AufNullstellen - mindestenseinesehrschlechteStabilität, wenn schalten des Differenzwinkels lE zwischenLeitkabel und nicht ebenfallsInstabilität;es muß also bei vorhandenemc, Wagenlängsachse, aber eine prinzipielle Verbesserungwird ebenfallsc, vorhanden sein. Man wird versuchen,die Nullauch dies nicht bringen. Der Grund dafür ist folgender: stellenreell zu machen,da dann auch die in siehineinlaufensowohl die Regelabweichungyrs als auch der Differenz- den Wurzeln bei hohen Kreisverstärkungenreell werden. winkel /g wachsenbei einemSprungin zo in ersterNäherung Dabei kann man drei Fälle unterscheiden: quadratischmit dem Weg (bzw. der Zeit bei Vo : konst.). 1. Die Nullstellenp2r,n des Reglersliegen in der p-Ebene Der Reglerausgang,der den Lenkwinkel beeinflussensoll, außerhalbder Fahrzeugpole,das heißt, der Absolutbetrag müßte aber ebenfallsannäherndsprungförmigansteigen,um der Nullstellenist größerals der der Pole, yFo gar nicht erst unzulässiganwachsenzu lassen. 2. mindestenseine der Nullstellen lieet zwischenden Polen des Fahrzeugs, b) Reglereingangist Krümmungsdffirenz 3. beide Nullstellen liegen zwischen dem absolut kleinsten Um das obengenannteProblem zu lösen,muß man den AufPol des Fahrzeugsund dem Doppelpol pro,nodes Reglers bau des Regelkreisesprinzipiell ändern. Da sich keine der im Ursprung. vom Fahrzeug aus meßbarenGrößen zeitlich in demselben Maße wie z ändert,muß die Krümmung 1r0 desSoll-Fahrwegs Die Wurzelortskurvendes Regelkreiseshaben dann folgendirekt in dasFahrzeugeingegeben werden.Wie dastechnisch den prinzipiellen Verlauf: realisiertwerdenkann, soll im Abschnitt 5 gezeigtwerden.Die zu 1.: Die Polepr,2 des Fahrzeugsbleibenmit wachsendem Krümmung des Ist-Fahrwegs z, kann indirekt über die K zunächstreell, werdendann komplex (Dämpfung je Drehgeschwindigkeit nachLageder Nullstellerpzz, tdesReglers),bei hohen z, und die Querbeschleunigung u gemessenwerden; bei konstanter VorwärtsgeschwindigkeitZo K-Werten wieder reell und laufen gegenpzz,a. Das Polpaar pr, o des Reglersist zunächstkomplex mit ergibt sich xr atrsyt und a durch die einfachelineare Operapositivem Realteil, mit größeremK wird der Realteil tion jedoch negativ.Die Dämpfung dieserEigenschwingung 11 wird im allgemeinennicht größer als der durch die xt: (2r) h'@t:h Nullstellen p21,2 des FahrzeugsgegebeneWert. Das in einer Vergleichsstellegebildetelx wird nun direkt zu2.:Die Polepr,2sind stetsreell,der prinzipielleVerlauf auf den Regler gegeben,Hauptregelgrößeist also die Krümvon p3,n ändertsich nicht. mung. Der entscheidendeVorteil dieser Anordnung ergibt sich aus dem Wegfall des durch die Geometrie bedingten fFnl Gliedesllpz im Regelkreis,im Bild 5 mit F, bezeichnet.Der I Hauptregelkreisvereinfacht sich damit zu einem Nachlaufsystem. Ohne eine Aufschaltung der jetzt als Hilfsgröße dienenden Abweichungypo wird man aber nicht auskommen,da - wie schon gesagtwurde - die Darstellung z (s) den Fahrweg nicht absolut festlegt. Auch bei völlig ausgeregelterKrümmung wird sich durch die anfänglichenAbweichungenein bleibendesJrrs erg€ben,es muß also hierfür ein zusätzlicher Bild 7. Blockschaltbild des vollständigen Regelkreisesnach AbZweig im Regler vorhanden sein. schnitt4b. 226' Heft 5 (13.Jahrgang1965) ßegelungsteünih zu 3.: Das erstePolpaarpr,, ist bei kleinenK-Wertenreell, dann komplex mit negativemRealteil, es läuft gegen p zr z; die minimaleDämpfung dieserEi genschwingung ist durch die Lage vonp^,z gegeben.Das zweitepolpaarps,n ist zunächstkomplex mit negativemRealteil, die Dämpfung dieser Eigenschwingungwird stetig größer; bei einem mittleren K-Wert wird D > l, das heißt, die Poleps,n werdenreell; die Abklingkonstante bleibt klein. Bei der einzigenpraktisch brauchbarenLösung nach Fall 3 ist das Systemstrukturstabil, es läßt sich ein K-Wert flnden, bei dem ein Kompromiß zwischen den Dämpfungen der beiden Polpaare möglich ist. Der Nachteil liegt in der sehr kleinen Eigenfrequenz der zweiten Schwingung, diese ist aber bei der Struktur nach Fall 3 ursächlichdurch die Fahrzeugpole gegeben,die in ihrer Lage nur durch eine völlig andere Konstruktion des Fahrzeugs wesentlich zu beeinflussensind. Als Regleranteil für die Querabweichungy1o tritt nur ein P-Regler auf, demzufolgemuß hier eine bleibendeAbweichung erscheinen.Obwohl der hierfür maßgebendeAnteil c, wegender eben gefordertenLage von pz,,' sehr klein sein muß, ergebensich doch - bei mittlerem Verstärkungsfaktor K des Reglers - sinnvolle und brauchbare Werte für die bleibendenAbweichungenin ypo. Die bleibendeAbweichung ist übrigensnur insoweitvon der Vorwärtsgeschwindigkeit Vo abhängig,als auch ",:(?),=., der Übertragungsfaktordes Fahrzeugs,davon abhängigist, was gleichbedeutend ist mit der Stärkeder über- bzw. Untersteuerungstendenz des Fahrzeugs. 5. Eingabeder Sollkrümmung(Sollwert) in den Regler Zum Schluß soll noch ein konstruktiver Vorschlag für die Eingabeder Sollkrümmungzo in den Reglergemachtwerden. Dazu muß folgende Voraussetzunggetroffen werden: die Krümmung zo ist entwederkonstant (auch zo :0) oder linear vom Weg abhängig (xo : k . s), was im modernen Straßenbaufast ausschließlichgegebenist. Es wurde schon gesagt,daß das mit NiederfrequenzgespeisteLeitkabel eine Antenne mit kleinem Wirkungsbereichdarstellt. Die Information über die Größe der Krümmung bzw. ihre Anstiegsgeschwindigkeitkann der Speisespannung durch Frequenzmodulation (FM) aufgeprägt werden. Zweckmäßig wird man mit zwei Trägerfrequenzenarbeiten, da estechnisch schwierigist, die Frequenz der Speisespannung entlang des Kabels stetig zu verändern: der eine Träger ist auf Abschnitten in Betrieb, wo die Krümmung konstant ist und enthält dort die der Krümmung proportionale Information, der andere Träger ist dort in Betrieb, wo die Krümmung sich linear ändert und enthält dort die dem Krümmungsanstieg proportionale Information. In einem im Fahrzeug eingebauten Demodulator werden diese Informationen in geeigneter Weise in eine analoge Spannung umgeformt (Bild 8), die als Eingangsgröße für den Regelkreis dient. Als Antenne im Fahrzeug kann ohne weiteres eine der beiden Empfangsspulen benutzt werden, die für die Messung der Querabweichung benötigt werden. Demodulotor Demodulotor FM Demodulotor FM Demodulotor Demodulotor ! Bild 8. Blockschaltbilddes Den.rodulatorsfür xnG). Tp Tiefpaß, flP Hochpaß. Literatur: lll Fonda, A. G.: Theory of a practical lateral simulator for the automobile, and derived concepts of vehicle behaviour. Cornell Aeronautical Laboratory of Cornell University, Buffalo, N.Y., Report Nr. YA-804-F-3, 1957. [2] Kohr, Ä. fL: Application of computersto automobilecontrol and stability problems.Proc. Eastern Joint Computer Conference.W. 1957. [3] The RCA electronic highway system. RCA Laboratories, David Sarnoff ResearchCenter, Princeton, N.J. [4] Bidwell, I.8., Welch, A. F. und, Hanysz, -E l.; Electronic highways.GeneralMotors ResearchLaboratories,GMR-245, 1960. [5] Paperpresentedby Road ResearchLaboratoryof DSIR, 1961, Crowthorne,Berks.,GB. [6] The Robotug, The EMI Control Systemfor driverlessfactory vehicles.Document Ref. Nr. CP 180, 1958,EMI Electronics Ltd., Hayes,Middlesex,England. l7l lIoops,l.; Modell eines auf festgelegterFahrbahn elektronisch gelenkten Fahrzeugs. Elektronische Rundschau 11 (1957),S. 277-278. l8l Oppelt, I4z..'Kleines Handbuch technischer Regelvorgänge. 4. Auflage. Verlag Chemie,Weinheim/Bergstr. (1964). l9l Mitschke, M.: Fahrtrichtungshaltung und Fahrstabilität von vierrädrigen Kraftfahrzeugen. Deutsche Kraftfahrtforschung und Straßenverkehrstechnik,H. 135, 1960, VDI-Verlag, Düsseldorf. ll0l Gauß, F. wd l4tolf, 1Lr Über die Seitenführungskraft von Personenwagenreifen. Deutsche Kraftfahrtforschung und Straßenvörkehrstechnik, H. 133, 1959, VDI-Verlag, Düsseldorf. I