Analog Computers

Reference / Paper · 1973

Methodik der rechnergestützten Simulation — Fachgespräche vom 10.–11. Mai 1973

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Proceedings of a May 1973 German-language workshop on computer simulation methodology, jointly organized by the Kernforschungszentrum Karlsruhe and the University of Stuttgart (report KFK 1845, 425 pages, 33 contributed papers). Topics span real-time simulation of time-continuous systems, hybrid analog-digital simulation architecture (including HYBRIDMASTER mode control and SCALE/CSMP/MUNICH/DYNAMO programming systems), validation of discrete and continuous simulation models, Monte Carlo methods, and diverse application domains including road traffic, reactor technology, telecommunications networks, satellite attitude control, and human-vehicle systems.

Manufacturer
Kernforschungszentrum Karlsruhe
System
Analog, Digital, and Hybrid Computers (general)
Author
O. Drobnik, E. Holler, F. Schumacher, H. Beilner, P. Christ, H. Ress, H. Rzehak, G. Stöbel (Hrsg.)
Year
1973
Type
Reference / Paper
Language
German
Learning track
specific applications
Pages
425
  • Analog, Digital, and Hybrid Computers (general)
  • Kernforschungszentrum Karlsruhe
  • hybrid simulation
  • analog computation
  • simulation methodology
  • continuous system simulation

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Methodik der rechnergestützten Simulation — Fachgespräche vom 10.–11. Mai 1973

Mai 1973 Methodik der rechnergestützten Simulation Fachgespräche vom 10. - 11. Mai 1973 veranstaltet vom Institut für Datenverarbeitung in der Technik Gesellschaft für Kernforschung, Karlsruhe und dem Institut für Informatik Universität Stuttgart KFK 1845 KERNFORSCHUNGS ZENTRUM KARLSRUHE KFK 1845 Institut für Datenverarbeitung in der Technik Institut für Informatik Universität Stuttgart Gesellschaft für Kernforschung Karlsruhe Methodik der rechnergestützten Simulation Fachgespräche vom 10. - 11. Mai 1973 in Karlsruhe Organisationskomitee: O. Drobnik E. Holler F. Schumacher H. P. H. H. G. Beilner Christ Ress Rzehak Stübel Gesellschaft für Kernforschung m.b.H., Karlsruhe Zusammenfassung: Methodik der rechnergestützten Simulation Vom 10.-11. Mai 1973 fand im Kernforschungszentrum Karlsruhe ein Fachgespräch über Methodik der rechnergestützten Simulation statt, zu dem das Institut für Datenverarbeitung in der Technik der Gesellschaft für Kernforschung, Karlsruhe und das Institut für Informatik der Universität Stuttgart eingeladen hatten. Zweck der Fachgespräche war ein intensiver Gedankenaustausch zwischen Fachleuten auf dem Gebiet der Simulation über grundsätzliche Probleme, die bei der Planung und Verwirklichung von Simulationsprojekten auftreten. Der hier vorgelegte Bericht umfaßt die während des Fachgesprächs gehaltenen Vorträge sowie einige ergänzende Angaben, die einen Uberblick über die Zusammensetzung des Teilnehmerkreises und die Arbeitsgebiete der Vortragenden geben. Abstract: Computer Simulation Methodology A Workshop on "Computer Simulation Methodology" organized by the Institute of Data Processing in Technology of the Karlsruhe Nuclear Research Centerand the Computer Science Department of the university of Stuttgart was held from May 10 - 11, 1973 at Karlsruhe. The workshop's aim was to provide for an intensive exchange of thoughts among simulation specialists on fundamental problems in computer simulation design and experiments. This report includes all papers presented at the workshop and gives a survey on the referees and their fields of activity. Vorwort Die rechnergestützte Simulation als Hilfsmittel zur Lösung komplexer, analytisch kaum angreifbarer Probleme findet in den unterschiedlichsten Wissensgebieten und Anwendungsbereichen immer mehr Verwendung. Die einzelnen Anwender haben meist unabhängig voneinander verschiedene und verständlicherweise auf ihre Probleme zugeschnittene Methoden der Simulation entwickelt. Die wachsende Bedeutung der Simulation als Problemlösungsmethode scheint es zu rechtfertigen, sie als eigenständiges Forschungsgebiet zu betrachten. Nur so ist es möglich, auf breiter Basis konsequent und koordiniert ihre allgemeingültigen Grundlagen zu erforschen. Dieser Prozeß ist nur durch spezielle Simulationsfachtagungen in Gang zu setzen - wie dies u.a. in den USA schon seit Jahren gehandhabt wird. Kontakte zwischen dem Institut für Informatik der Universität Stuttgart und dem Institut für Datenverarbeitung in der Technik der Gesellschaft für Kernforschung Karlsruhe, die sich auf Grund des gemeinsamen Interesses an Problemen der rechnergestützten Simulation ergaben, führten zu der Idee, eine einschlägige Arbeitstagung zur Analyse des State of the Art im deutschsprachlgen Raum zu veranstalten. Das Organisationskomitee war sich von vornherein einig, die Tagung der Diskussion von Fachleuten vorzubehalten. Ein möglichst heterogener Teilnehmerkreis sollte die verschiedensten Interessengebiete und Anwendungsbereiche integrieren, was natürlich zu einer Erschwerung der Formulierung übergeordneter Gesichtspunkte der anläßlich der Tagung zu behandelnden Themenkreise führte. Die Veranstalter entschlossen sich, die Methodik der rechnergestützten Simulation als Leitgedanken der Tagung hervorzuheben und die folgenden Themenkomplexe zur Diskussion zu stellen: - Möglichkeiten und Grenzen der Simulation Begriffsbestimmung und Abgrenzung gegenüber anderen Methoden, Modellbildungsarten, Einsatzgebiete (Leistungssteigerung, Neuplanung, ... ) - Entwurf und Implementierung von Simulationsmodellen Simulationsziele (Formulierung des zu beantwortenden Fragenkomplexes) Systemanalyse, Modellsynthese (Strukturierung, ModelIierungstiefe, ), Implementierungshilfen (Sprachen, Programmsysteme, ), Einsatz- und Benutzungsfreundlichkeit; - Gültigkeitsbestätigung und Modelleinsatz Verifikation, Calibrierung, Validation, Experimententwurf, Ergebnisanalyse, Optimierung. Im Rahmen dieser Thematik wurde von jedem Teilnehmer ein Gesprächsbeitrag in einer der beiden folgenden Formen erwartet: a) Vorträge von ca. 20-30 Minuten Dauer mit der Zielsetzung -Neuentwicklung und Tendenzen auf dem Gebiet der Simulationsmethodologie aufzuzeigen, -über Aspekte beim Einsatz von bekannten Methoden der Simulation in konkreten Projekten sowie über Motive bei der Wahl bestimmter Methoden und Erfahrungen bei ihrer Anwendung zu berichten. b) Diskussionsbeiträge von ca. 10 Minuten Dauer über Probleme bei derzeit in der Planungs- und Entwicklungsphase stehenden Simulationsprojekten. Schon um den Charakter eines speziellen Fachgesprächs zu verdeutlichen, schien es uns vor allem wichtig, daß in den Beiträgen die methodische Vorgehensweise ausführlicher dargelegt wird als die Bedeutung der Problemlösung für das jeweilige Fachgebiet. Daß einige Beiträge nicht ganz diesem Wunsch entsprachen, dürfte durch die kurzfristige Anberaumung der Tagung begründet sein. Die Allgemeinheit der'Thematik und die Zulassung von Berichten über abgeschlossene sowie über noch laufende oder erst geplante Projekte sollten neben dem gesicherten Wissensstand aktuelle Aktivitäten publik machen. Insbesondere sollten die Vorträge die Auswirkungen der Anwendung der Simulation auf unterschiedlichen Gebieten aufzeigen, um das Erkennen von Problemen als spezifische Simulationsprobleme zu ermöglichen. Um die stets notwendige Diskussion zu begünstigen, wurde auf einen kleinen Teilnehmerkreis Wert gelegt, obwohl dadurch der Anspruch auf Repräsentativität gemindert wurde. In diesem Zusammenhang wird auf das dem Tagungsband beigefügte Ergebnis der Teilnehmerumfrage zum Simulationsworkshop hingewiesen, in dem neben einer detaillierten Aufschlüsselung der Tagungsteilnehmer nach Zugehörigkeit zu Industrie, Universität usw. auch deren Erfahrungen mit der Simulation aufzuzeigen versucht wird. Die Durchführung der Tagung validierte im wesentlichen die Überlegungen des Organisationskomitees. Es zeigte sich aber, daß die aktive Teilnahme in einer der von uns gewählten Formen des Vortrags bei 40 Teilnehmern innerhalb von 2 Tagen zu wenig Spielraum für die Diskussion der angesprochenen Probleme ließ. Dennoch konnte ein intensiver Gedankenaustausch angeregt werden, der sich insbesondere auf die zukünftige Kommunikation der Tagungsteilnehmer positiv auswirken wird. Das Organisationskomitee dankt der Gesellschaft für Kernforschung und der Universität Stuttgart für die organisatorische Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung der Tagung sowie bei der Herausgabe dieses Tagungsbandes. Organisationskomitee: Karlsruhe O. Drobnik E. Holler F. Schumacher Stuttgart: H. P. H. H. G. Beilner Christ Ress Rzehak Stübel Inhaltsverzeichnis Seite Einsatz und Aufbau von Systemen zur Simulation zeit- 1 kontinuierlicher Systeme in Echtzeit. H. Rzehak Prinzipieller Aufbau einer Hybrid-Simulation. 16 R. Vogel Logische und funktionelle Simulation einer komplexen 25 Hardware-Steuerung zur Datenvorverarbeitung. H. Weisschuh Dynamische Simulation als Entscheidungshilfe in 33 der Bildungsplanung. H. Bossel Möglichkeiten der kombinatorischen Analyse von 65 Simulationsmodellen. G. Petrich Ein Programmsystem zur Simulation von Straßen- 73 verkehrssystemen. H. Reß Einfluß der Modellstruktur auf den Lösungsaufwand 78 bei dynamischen elektrischen Netzwerken. W. Jentsch Aufgaben und technische Lösung der rechnergestützten 94 Simulation bei VW. D. Büge, H.G. Siepmann Simulationsprobleme im Bereich des Maschinenbaus und der Reaktortechnik. E.G. Schlechtendahl 99 Seite Einheitliche Programmierung eines Hybridsystems 109 auf problemorientierter Ebene für die Simulation von Echtzeitproblemen. V. Hecht SCALE - eine digitale Implementierungshilfe für 121 analoge und hybride Simulationen. D. Heppner Das Simulationsprogrammiersystem MUNICH. 145 M. Feilmeier CSMP-I: Ein dialogfähiges Simulationsprogramm- 147 system zur Simulation zeitkontinuierlicher Systeme. H.J. Burkhardt, Gießler, Mathe Vorschläge zur Erweiterung von DYNAMO. 155 O. Kolbe Heuristische Verfahren bei der Simulation von 162 Managementplanungsmodellen. G. Stübel, u.a. Rechnergestützte Simulation zur Entwicklung von 173 Fertigungssystemstrukturen. A. Reinhardt Das Simulationsprojekt Erzumschlag und Möllervor- 187 bereitung SchweIgern. w. Kleemann Die Einsatzmöglichkeit von Diffusionsmodellen für den Umweltschutz am konkreten Beispiel der Stadt New York. Ch.A. Raehmel 193 Seite Test- und Meßeinrichtungen für ein Simulations- 208 system zur Untersuchung des dynamischen Verhaltens von Betriebssystemsoftware. J. Nehmer Modellbildung im Rahmen der Simulation von Teil- 220 nehmersystemen. R. Isernhagen Anwenderfreundlichkeit in der Simulationstechnik. 228 K. Lagemann Simulation in der Nachrichtenverkehrstheorie: 240 Problemstellungen und Programmiersprachen. G. Kampe, P. Kühn, M. Langenbach-Belz 264 Simulation von Nachrichtenquellen in blockorientierten Simulationsmodellen. H.J. Burkhardt, E. Hinsch Simulation der Kernspeicherbelegung in einem elek- 284 tronischen Datenverarbeitungssystem. W. Kistler Simulation von Rechnernetzen mit getakt~ter Infor- 293 mationsübernahme. U. Herzog, G. Kampe, M. Langenbach-Belz Simulation eines Rechnerverbundsystems: 304 Systemanalyse und Modellsynthese. o. Drobnik Simulation eines Rechnerverbundsystems: Experimententwurf und Validation. F. Schumacher 319 Seite Zur Gültigkeitsbestätigung diskreter Simulations- 332 modelle. H. Beilner Der Stichprobenumfang bei Monte-Carlo-Simulation. 344 M. Helm über ein adaptives Modell zur Lagesimulation eines 352 Satelliten. R. Kammüller Simulation des Regler- Mensch-Verhaltens in 367 Mensch - Fahrzeugsystemen. W. Berheide, G. Johannsen Bestimmung des statistischen Fehlers im Simulations- 375 modell eines Teilnehmerrechensystems. G.U. Weigand untersuchung des Adreßtransformationsmechanismus des 402 TR440 mittels Simulation. E.F. Pantele Ergebnis der Teilnehmerumfrage zum SimulationsWorkshop 410 1 Dr. H. Rzehak Einsatz und Aufbau von Systemen zur Simulation zeitkontinuierlicher Systeme in Echtzeit 1. Einleitende Bemerkungen zur Modellbildung und zur Modellierungstiefe Die hELUfigste Aufgabenstellung für die Simulation zei tkontinuierlicher Systeme - im folgenden kurz dynamische Systeme genannt - ist die Nachbildung technischer Systeme. Die Zusammenhange des realen Systems sind dann durch physikalische Gesetzmässigkeiten gegeben. Das Studium eines realen Systems erfordert stets gewisse Idealisierungen - sei es, um eine quantitative Analyse mit bekannten Methoden vornehmen zu körLnen, oder um den Auf.vand zu begrenzen. Diese Idealisierungen werden durch physikalische Überlegungen gerechtfertigt, d.h. llian bestimmt durch eine qualitative Analy-se, ob diese einen wesentlichen Binfluss auf die gewünschten Aussagen über das reale S;ystem haben. Man erhalt ein Modell des realen Systems, das stellvertretend für dieses untersucht vl"ird. Durch Idealisierungen des realen Systems ergibt sich die gewünschte Modellierungstiefe. Im Verlauf einer Untersuchung wird man im allgemeinen von einer gerint_en zu einer immer grösseren IViodellierungstiefe übergehen, d.h. man wird von einem stark idealisierten S,)! stern zu immer realistLscheren Systemen iJbergehen. Zunachst wird man das dynamische System in Teilsysteme zerlegen. Bei geringer Modellierungstiefe wird dies durch den Aufbau des S~,stems aus einzelnen Baugruppen gegeben sein. Dies beinhaltet jedoch bereits die Idealisierung, dass das System durch konzentrierte Parameter beschreibbar ist. So ist z.B. ein elektrisches Netzwerk nur durch die Jirkung diskreter Bauelemente beschreibbar, solange die raumlichen Abmessungen der realen Bauelemente so klein sind, dass man 2 sich deren vvirkung an einem Punkt konzentriert denken kann. Die gegenseitige Beeinflussung der Teilsysteme gekennzeichnet durch die Vermaschung der Teilsysteme wird im Modell auch nur die Hauptwirkungen enthalten. So wird z.B. die gegenseitige Beeinflussung von Antriebseinheiten über die gemeinsame Stromversorgung unberücksichtigt bleiben. Die Teilsysteme haben einen oder mehrere bingänge und in der Regel einen Ausgang. Sie sind vollstandig gekennzeichnet durch den Zusammenhang zwischen Ausgangsgrösse und den Eingangsgrössen. Dieser ist hi:wfig durch Differentialgleichungen beschreibbar. In vielen Fällen können diese durch physikalische Überlegungen ermittelt werden. Bei einer experimentellen Ermittlung muss beachtet werden, dass der Zusammenhang nicht durc.h vvertetabellen beschreibbar ist, da der Differential- bzw. Integraloperator eine Abbildung in ]'unktionenr~umen vermittelt. Durch Parameter-Schatzverfahren kann man zwar experimentell Aussagen zur Beschreibung eines Teilsystems ge~vinnen, doch setzen diese Verfahren Annahmen über d.en Aufbau der Gleichungen voraus, die zur Beschreibung herangezogen werden. Sind diese Annahmen nicht gültig, so erhalt Inan auch keine korrekte Beschreibung. Das so gewonnene Modell kann, nun auf zwei prinzipiell verschiedene Arten untE::rsucht werden. Man kann die Differentialgleichun€,en des G-esamtsystems aufstellen und diese lösen. Bereits das Aufstellen der Gleichungen des Gesamtsystems bereitet mitunter beträchtliche Schwierigkeiten - z.B. benötigt man analytische Darstellungen empirischer Funktionen -, bedeutet aber in jedem Fall zus~tz­ liche Arbeit. Die andere Methode ist, das Gesamtsystem zu simulieren. Dabei werden die Teilsysteme durch dynamische Vorgange dargestell t (Sin~ulationsmodell), die rni t gewissen Ideali- sierungen aas zur Bedchreibung verwendete Modell realisieren. Dies kenn ein numerischer Prozess oder ein analoges Modell sein. Man vermeidet aas Aufstell.en der G-IeichuYlgen für das Gesamtsystem. Es besteht eine direkte Beziehung zwischen den Grössen des realen Systems und den Grössen des Simula.t,ionsmodelles. 3 Ein Andern des Modells für einzelne Teilsysteme ist ohne Anderung des übrigen Modells möglich. Der Zusammenhang zwischen diesen Modellbegriffen ist in Bild 1.1 Reales -- Simulations- System modell I Idealisierungen Modell zur Beschreibung dargestellt. I - Idealisi erungen des Systems mathematische Beschreibung Bild 1.1 Zusammenhang zwischen realem System und Simulationsmodell 2. TIarstellung der Teilsysteme Die rechnergestützte Simulation kann die volle Flexibilität erst entfalten, wenn das Simulationsmodell leioht an veranderte Aui'gabenstellungen angepasst w~erden kann. Es ist die Verwendung eines Jimulationssystems zweckmässig, das Hilfsmittel zur bequemen DaTstellu:pg der Teilsysteme und deren Vermaschung bereitstellt. Bei hohen Ansprüchen an den Komfort wird es sich dabei um ein ganzes :Prot,rammsystem handeln. Zur TIarstellung der Teilsys~eme gibt es verschiedene Möglich- keiten. Man wird einen numerischen Prozess einrichten, der nb:herungsweise der Modell beschreibung en tSl)richt. Sind die TeilsysteILe durch DifJerentialgleichungen bedchrieben, so handelt es sich bei dem numerischen Prozess um die schritt- 4 weise Lösung der Differentialgleichungen. Bekanntlich handelt es sich dabei nur um N~herun~sverfahren. Zur Durchführung der ~imulation können diese direkt programmiert werden. Grösseren Komfort erreicht man, wenn man sich einer blockorientierten Programmierung beulent, wie sie die CS.::>L-Ernpfehlungen vorsehen, z.B. durch Verwendung von ()~MP. Der besondere Vorteil ist, dass der Aufbau des Simulationsmodelles aus ~J.'eilsystemen (Blöcke) direkt in die Programmierunt; übernoiiLmen wird. Da die Blöcke im Digitalrechner nur nacheinander für einen Lösungsschritt bearbeitet werden können, ist der Zeitaufwand betr&chtlich. Er könnte reauziert werden, Vienn man mehrere Blöcke (~Ieilsysteme) zusammenfasst und die numerische Lösung des so gevfonnenen Blockes airekt programmiert. Die s erhöht j edo ci::. die Z8hl der iYL:3l./3 sr~~lllt im Simulationssystem be.nöti tc ten Blöcke. Anstelle aass ein Teilsystem (Block) durch einen numerischen Prozess dargesteLLt wird, kann auch ein analoges Modell durch entsprechende Programmiprung eines Analogrechners verwendet weraen. Auf problemorientierter Ebene kann die Programmierung ebenfalls in einer Sprache in Alllehr~ung an die 00üL-1mpfeh- lungen erfolgen. Derartige Sprachen (z.B. CSMP) sind grundsätzlich in, eine Rechensche.l tung für Analogrechner maschinell übersetzbar. Da es sich bei der Verwenaung eines analogen Modelles nicht um einen numerischen Prozess handelt, sind aie Abvieichungen ues üimulationsmodelles gegenüber der idealisierten Beschreibung prinzipiell anderer Art. Sie resultieren daraus, dass die RecheneleKente von ihrem id.ealen Verhalten abweichen. y{esentliche Untersc1liede sind ferner die zei tgerechte pt'lrallele Simulation der 11eilsysteme und aie 11a tsache, liass aer Analogrechner ein Festpunktrechner ist, d.b. aie Grössen müssen irl den gewüüschten Bereich, gewöhnlich aas Intervall (-1, 1), transformiert werden. Diese Darstellungen der Teilsysteme set~en voraus, aass eine .gültige Beschreibung der Teilsysteme für die gswiliJschte 5 ModelIierungstiefe bekannt ist. Ist dies nicht der Fall, und soll auch wegen der hohen Kosten auf eine entsprechende Untersuchufig verzichtet werden, so karn das entsprechende Bchtteil im Simulationsmodell verwendet werden. Dies macht en~sprechende Vorkehrungen bei der Konzeption eines Simu- lationssystelfls nötig, die im wesentlichen auch "bei der gemischten Ver'\vendung numerischer Prozesse und analoger ModeLle (hybride Rechnersysteme) erforderlich sind. Es ist anBchaulich vers~hndlich, dass ein analoges il'lodell vergleichsweise leicht durch ein Echtteil ersetzt werden kann. Wesentliche Punk~e dabei sind: Die Eingangsfunktionen für analoge Teilmodelle und Echtteile müssen zeitgerecht übergeben werden. Dabei beeinflussen nicht nur die Werte zu diskreten Zeitpunkten das Ergebnis, sondern es ist der gesamte :B'unktionsverlauf von Einfluss. Der serielle Ablauf im Digitalrechner muss mit der Modellzei ~ des Simulations8.bla.ufes synchronisiert werden. Zur Da.tenwa.ndelung ist geeignete Hardware nötig, die aurch das Progr8n~iersystem unterstützt sein sollte. Ein wichtiger Sonderfall der Verwendung von Echtteilen ist \ der lliensch im Simulationsablauf. Hier trifft es zu, aass zu wenig bzvl". zu unvollt1tar:dige Beschreibungsmodelle für men schliches VerhaI ten beim Umgang mit tecrmischen Systemen existieren. Auch sollte es das Ziel fortschrittlicher Technik sein, dass technische Systeme dem lVl.enschen angepasst werden und nicht, wie in der Vergangenheit vielfach üblich, der l'llensch sich den ohne Berücksichtigung menschlichen VerhaI tens entwickelten Systemen anpassen muss. Dies erfordert die realitatstreue Nachbildung aller Kommunikationsmittel, mit derlen Informationsaustausch zwischen Mensch und technischem S;y sterrl erfolgt. 6 3. Besondere Probleme der gemischten Verwendung digitaler und analoger Modelle bzw. Echtteile Die Teilsysteme eines dynamischen Systemes vermitteln eine Abbildung der Eingangsfunktionen in die Ausgangsfunktion im Raum der reellen stetig (in Sonderfällen stückweise stetigen) beschrankten Funktionen. Da numerische Prozesse Operationen mi t vVerten von Variablen bedeuten, muss die unabhangige Problemvcu'iable ( Zeitachse) diskretisiert vverden. Die kon -cinuierlichen Funktionen müssen durch diskrete ~unktionen ersetzt werden. Für ein endliches Zeitintervall kann man aiese durch eine enciliche Anzahl von Variablen repräsentieren. Im Gegensatz dazu werden sowohl bei Echtteilen, wie bei analogen IVlOdellen die Elemente des Raumes der reellen stetig beschrankten ]lunktionen direkt dargestellt; die Abbildungen, welche die Teilsysteme vermitteln, werden also im ursprünglichen Raum dargestell t. l!'ür die Zusammenarbei t dieser verschiedenen Darstellungen der Teilsysteme ist also nicht nur die vvandelung einzelner vierte von der digitalen Darstellung in die analoge und umgekehrt nötig sondern die Abbildung diskreter Punktionen in kontinuierliche und umgekehrt. Digitale Simulationsmodelle einerseits und an810ge Modelle bzw. Echtteile andererseits stellen demnach Operatoren in verschiedenen Raumen dar. Zur Zusammenarbeit benötigt man Operatoren, welche diese Raume ineinanaer abbilden. Damit erscheinen im Simulationsmodell des Gesamtsystems 'l\eilsysteme (namlich die Funktionentransforn18tion), denen im realen System keine Teilsysteme entsprechen. Die Frage, wie weit dadurch Abweichungen vom Verhalten des realen Systems en t8tehen, muss im Zusammenhang mit der ,fahl der digitalen Modelle gesehen werden, wie im folgenden dargelegt werden wird. Die Abbildung zeitkontinuierlicher Funktionen in diskrete J!\unktionen wird man in natürlicher ,leise so vornehmen, dass der Funktionswert im Diskretisierungspunkt übernommen wird. Da die Simulation in Ecttzeit ablauft - die ablaufende lVla8chinenzeit stellt die unabh8.ntige Problemvariable dar werden dazu die zu wandelnden analogen Funktionen in äquidistan- 7 ten Abstanden (Zyklus"' ei t) abcseta;"ltet t:.nu. d,'r J-..naloGNert digitalisiert. Die Zykluszeit muss so gewahlt werden, dass nech deren Ablauf aer Digitalrechner mit Sicherheit zur Verarbeitung der neuen Vverte bereit ist. Sie hangt also von dem Umfang aer in einem Zyklus intervall zu bearbeitenden numerischen Operationen ab und damit Buch von aen verwendeten digitalen Modellen, insbesondere den Integrationsverfahren. Die Zyklusintervalle werden durch einen entsprechend genauen ~aktgeLer bestimmt. Die Operetionen STIl Digitalrechner müssen dalIli t s.ynchronisiert'v'erden. Hybride Rechnersysteme verfügen über die entsprechende Hard- und Software. Info.cmation stheoretisch genügt es, die Zykluszeit ents~rechend dem Ab- tasttheorem zu wählen; wegen der weiter unten hergeleiteten Konsistenzbeciintßng muss man aber wesentlich kür~/,ere Z;yklus- zeiten whhlen. Ist die Diskretisierung der kontinuierlichen Funktionen verhaltnismässig unvroblematisch, so gilt das nicht für die Konstruktion kontinuierlicher Funktionen aus Clistreten. Der lokale Verlaui zwischen zwei Diskretisierungspunkten muss aus uem globalen Verlauf sinnvoll konstruiert werden. Dies isi~ eine Interpolationsaufgabe. PUr lineare Inter- polation erhalt man z. B. eine stetige ]\unktion, die allerdings in den Stüizstellen nicht differenzierbar ist. Stellt man höhere Anforderungen an die Glattheit der J!'unk tion, milli so kann aufwenCligere Interpolationsverfahren verwenden. Interpolationsverfahren erfordern, aass für die Bestimmung des Verlaufes zwischen t.l und t.l+1 zUlIlindest der I/ert von t.l +1 (z.B. bei linearer Interpolation) bekannt sein Dmss. Berücksichtigt man, aass analoge und digitale Modellteile im allgemeinen eine geßchlossene Schleife bilden (vgl. Bild j.l), so ist ersichtlich, dass dies nur erfüllbar ist, wenn man eine Zeitverzögerung aer 6ewandelten Funktionen in Kauf nimmt. 8 Interpolation: I p (G,l - l' G,l - 2' ---) Analoge f (t) Teilmodelle A/D- D/AWandelung Wandelung Digitale G.1.- 1 Bild ).1 = I Illeilmodelle Geschlossene Schleife einer hybriden Simulation zur Zeit ti~ t <t i +l . In Bild 5.1 ist auch bereits eingetragen, dass durch den Zeitbedarf aes Digitalrechners ohnedies eine Zeitverzögerung von einer Zykluszeit entsteht. An Stelle der Interpolation werden häufig daher Extrapolationsverfahren angewendet . .Es sind zwei Verfahren gebräuchlich: die Verwendung von Treppen- oder Rampenfunktionen. Bei der Anwenaung von Rampenfunktionen wird iffi aigitalen Teilmodell die Rampensteilheit zusätzlich als Näherungswert der Steigung der idealen Ausgangsfunktion aei:) Teilmodelles berechnet. Bild 3.2 stellt beiae Verfahren für eine Sinusfunktion als ideale Ausoangsfunktion gegenüber. 9 UA : analoga Spannung am DA·Umsetzer t : Zelt T : Zykluszelt t Extrapolation durch Treppenfunktion t Extrapolation durch Rampenfunktion Bild 3.2 Extrapolation mittels Treppen- und Rampenfunktion Bei beiden Verfahren erhalt man Unstetigkeiten in den stützsteIlen. vvelches Verfahren besser ist, hängt vom Steigungsund Krümmungsverhalten der idealen Funktion ab. Die Unstetigkeit wird in vielen Fällen weiter nicht stören z.B. wenn über diese Funktion integriert wird. Besonders stören jedoch diese Unstetigkeiten, wenn dadurch Eigenfrequenzen von Teilsystemen angeregt werden, die im Verhalten des realen Systemes keine Bedeutung haben. Dies ist bei der Verwendung von Echtteilen häufig der Fall, wahrend man bei der Verwendung von 10 analogen Modellen die realen Teilsysteme meist so weit idealisiert hat, dass das Beschreibungsmodell diese Eigenfrequenzen nicht mehr aufweist. Zur Beseitigung der Unstetigkeiten verwendet man Tiefpasse, die jedoch wegen deren Einschwingverhalten Verzögerungszeiten bedeuten, so dass man sich den Verhaltnissen bei der Verwendung von Interpolationsverfahren nahert. Die Zeitverzögerungen durch den Zeitbedarf des Digitalrechners und die Verfahren zur Funktionsrekonstruktion spielen eine besonders unangenehme Rolle. Aus der numerischen Analysis ist eine Konsistenzbedingung bekannt, die eine Aussage darstellt, unter welchen Bedingungen die numerische Lösung gegen die exakte Lösung konvergiert, wenn die Schrittweite gegen Null strebt. Analog dazu wird man hier fordern, dass sich das Verhalten des Simulationsmodelles beliebig dem zur Beschreibung des realen Systems verwendeten Modell annahern lässt, wenn man nur die Zykluszeit beliebig klein wählt. Eine derartige Konsistenzbedingung für die hybride Lösung von Differentialgleichungen lässt sich formulieren. Das dynamische System sei durch das System von Differentialgleichungen (1) beschrieben. Die Lösung von (1) wird dann dargestellt durch die Vektorfunktion ~ 'U U) (1 :: "i(ID ) -I- 11('Ilf:}, t') d'l' (2 ) t 4J Da die Näherungslösung y (t) im allgemeinen Fall als kontinuierliche Funktion zwischen den stützstellen t i ermittelt wird und die Lösung schrittweise fortgesetzt wird, gilt ~ür 11 die Näherungslösung die Gleichung f 1 1j (-f:;,) + f (~{r/( '1:') dt- i "]ll):: ... U) t,.: ~ i- « {f1 ,. .(':8tr, 4, , ....,11. (~-):g "I t/_) ii Damit lässt sich die Konsistenzbedingung formulieren. Es gilt: f - I Es sei und stetig bezüglich y bzw. y und t und es gelte die Lipschi tz-Bedingung. Man betrachtet die J!'olge rCD,U(-I:) der Näherungslösungen gemäss (3) für t + - t i = 4 t ...... 0. i l Dann ist notwendig und hinreichend für die Konvergenz der Folge yCAf)l~J gegen die exakte Lösung y (t), dass "" .J(y., t.) =.J (y., t.). -,. 1 1 r 1 1 Dies besagt, dass ~e exakte Funktion I I derart durch eine Näherungsfunktion ersetzt werden muss, dass die Funktionswerte in den Diskretisierungspunkten übereinstimmen. Beweis: Der Fehler e i +l im Punkte t + ergibt sich gemäss i l - 12 - Dies kann man wie folgt abschätzen: Ie...., I ~ I e.; I ~ 'ltllf trI, 't:) -1{~ J. t'))"'1:'I ('f; 1",,10..- + lf/I{y{tJ,'I:) -!(ylt:J,'l:J)dr- I Es sei f (y(t i ), t i ) = I (y(t i ), t i ) und der Stetigkeit von ~ W;;..gen I undl gilt Damit ergibt sich mit der Lipschitz- Konstanten L '~A"'"" I ~ '(dA I.,.. ß. t (L I e.. , .,. r (A I)) =: Ie~' (-1+ 4i .L).,. 4~· ~(.4~) wegen 1.,. J' < tCKp(l) für d>O ~(1..a~ ·L) -1. 8At: to (4~) Af·L ..> 6 =: r «pt"'" ~DIL) -1 t (Ai-) v{egen (A t) -""0 für a t .... 0 ist die hinreichende Bedingung bewiesen. Die Notwendigkeit ergibt sich aus Existenz und Eindeutigkeit der Lösung. Der Beweis enthält auch die konstruktive Aussage, dass gemäss (7) der Fehler mit zunehmender Integrationszeit kummuliert. 13 Durch dieZeftverzögerungen kann die Konsistenzbedingung von Sonderfallen abgesehen nicht erfüllt werden. Dieser Sachverhalt ist unbefriedigend, umreisst aber klar die Bedeutung dieses systembedingten Fehlers. Durch Benutzen der Taylor-Entwicklung kann man bei Übergabe der Funktionen an die digitalen Teilmodelle eine angenaherte Parallelverschiebung zur Kompensation der Verzögerungszeiten vornehmen. Dies ist jedoch nur für kurze Verzögerungen befriedigend, da im allgemeinen nur das lineare Glied der Taylor-Reihe zur Verfügung steht. Man ist daher gezwungen, den Fehler durch entsprechend kurze Zykluszeiten zu begrenzen. Dies erfordert eine effektive Programmierung des Digitalrechners. Die verwendeten numerischen Verfahren sollten möglichst einfach sein. Der Gewinn an Genauigkeit für aufwendigere numerische Verfahren wiegt die zusatzlichen Fehler durch Vergrösserung der Zykluszeit vielfach nicht auf. 4. Schlussbemerkungen Simulationssysteme zur Simulation dynamischer Systeme in Echtzeit werden benötigt, um Echtteile in das Simulationssystem einbeziehen zu können. Als Echtteil in diesem Sinne ist auch der Mensch anzusehen, wenn dieser unmittelbar arn Simulationsablauf beteiligt ist. Bedingt durch die Operationszeit des Digitalrechners und die Notwendigkeit der Funktionstransformation diskreter Funktionen in kontinuierliche entstehen Zeitfehler, die nur für entsprechend kurze Zykluszeiten befriedigend korrigiert werden können. Dies führt dazu, dass die Zykluszeit wesentlich kürzer gewhhlt werden muss, als sich aus dem Abtasttheorem ergibt. Bei umfangreichen Systemen mit schnell ablaufenden Vorgängen stösst man auch heute nocb an die Leistungsfähigkeit digitaler Rechenanalgen. Auch ist es fraglich, ob die extrem hohen Kosten für die Verwendung superschneller Digitalrechner ökonomisch zu rechtfertigen sind. 14 Die Verwendung hybrider Rechensysteme bietet eine Reihe von Vorteilen. Zunachst enthalten diese standardmässig alle Hardware- und Software-Einrichtungen zur Synchronisation und zum Datenaustausch. Durch den programmierbaren Analogrechner kann die Funktionstransformation den Bedürfnissen des ~inzel­ falles angepasst werden. Die Zeitbillanz des Digitalrechners kann durch zwei Massnahmen entscheidend verbessert werden. Teilsysteme mit rasch ablaufenden Vorgängen können als analoge Modelle realisiert werden. Dadurch kann man ohne Verlust an Genauigkeit mit grösseren Zykluszeiten arbeiten. Durch die parallele Arbeitsweise des Analogrechners kann auch der Zeitbedarf des Digitalrechners pro Zyklus verringert werden, so dass man Zykluszeiten erreicht, die für die geforderte Genauigkeit erforderlich sind. Schliesslich kann ein analoges Teilmodell ohne Andern der Programmierung durch ein Echtteil ersetzt werden. Digitale Teilmodelle wird man dann in erster Linie dort verwenden, wo analoge Teilmodelle nicht befriedigend dargestellt werden können. Die Effektivität anderer Möglichkeiten - z.B. linearisierte analoge Teilmodelle zu verwenden und die Koeffizienten der Linearisierung von Zyklusintervall zu Zyklusintervall digital neu zu berechnen - ist noch nicht genügend untersucht worden. Nachteilig für die Verwendung ist vor allem die Programmierung der analogen Systemkomponente. Wünschenswert ware eine Programmierung auf problemorientierte Ebene durch Verwendung einer CSSL-Sprache. Allerdings sind bekannte Prograrnmiersprachen zur Simulation kontinuierlicher Systeme bisher nur in digitalen Simulationssystemen ohne Berücksichtigung der Echtzeit-Forderungen implementiert worden. 15 Literatur: Bekey, G.A., and J.W. Karplus: Hybrid Computation. Wiley, 1968. Henrici, P.: Discrete Variable Methods in Ordinary Differential Equations. Wiley, 1968. Rzehak, H. Ein Beitrag zur Analyse des Einflusses systembedingter Fehler auf die Lösung von gewöhnlichen Differenzialgleichungen mit hybriden Rechensystemen. Dissertation Universität Stuttgart, 1972. 16 Prinzipieller Aufbau einer Hybridsimulation von Ing.(grad) R. Vogel Dornier GmbH Friedrichshafen Inhalt: . 1. Zielsetzung 2. Mathematisches Modell 3. Warum Hybrid? 4. Rechnerkonfiguration 5. Programmiersprache 6. Modesteuerung durch HYBRIDMASTER 7. Zeitlicher Ablauf innerhalb eines Taktschrittes s Echtzeit s erzielb~re Taktzeiten 8. Integration von Echtteilen in den Simulationsablauf 9. Grenzen der Hybridsimulations Ausblick 17 1. Zielsetzung Die Simulation ist im Flugzeugbau ein wichtiges Hilfsmittel für die Entwicklung und Konstruktion eines Fluggerätes sowie für die Entwicklung und Auslegung eines Flugreglers. Mit Hilfe der Simulation kann schon im Vorstadium einer Neuentwicklung entschieden werden, ob diese Konzeption technisch machbar ist oder nicht. Um eine Simulation durchführen zu können, muß zunächst ein einfaches mathematisches Modell des Fluggerätes erstellt werden, welches Flugmechanik und Aerodynamik enthält. Ferner muß in groben Zügen ein Reglermodell erarbeitet sein. 2. Mathematisches Modell Ein Fluggerät wird zumeist dur'ch folgende Differentialgleichungen besehrieben: a. Triebwerksmodell , welches die Triebwerksdynamik enthält und durch Eingabe v~rsch{edener Parameter (Gashebelposition, Fluggeschwindigkeit, Flughöhe) den entsprechenden Schub als Ausgangsparameter liefert. b. 3 Kräftegleichungen (Flugmechanik und Aerodynamik), welche die Beschleunigungen in den 3 Flugkörperachsen liefern. Hieraus werden durch Integration Geschwindigkeiten und Wege (flugkörperfest) ermittelt. c. 3 Momentengleichungen, die uns die Drehbeschleunigungen liefern, woraus wiederum durch Integration Drehgeschwindigkeit und Fluglage (gegenüber erdfestem System) ermittelt wird. d. Transformation der flugkörperfesten Geschwindigkeiten und Wege in das erdfeste System. 18 3. Warum Hybrid? Bis zu dieser Stelle des Vortrags wurde das Wort Hybrid überhaupt noch nicht benutzt! Man könnte genausogut auf die ~dee kommen, Flugsimulationen rein digital bzw. rein analog abzuwickeln. Warum also Hybrid? Die rein analoge Simulation scheidet aus wesentlichen Gründen aus, anhand von 2 Beispielen erläutert: a. Beispiel Höhenauflösung: Der Einsatzbereich eines Flugzeuges liegt zwischen 0 - 10 km (10 km ~ 10 4 m ~ 106 cm ). Nun muß aber bei Start und Landevorgängen die Höhenauflösung kleiner als 1 cm sein um z.B. Vorgänge am Fahrwerk untersuchen zu können (Federweg, 'Fahrwerk z.B. 30 cm). Eine Genauigkeit von 6 Zehnerpotenzen erreicht kein Analogrechner. b. Beispiel Funktionen mehrerer Veränderlicher: Räumllche Kurvenscharen, wie sie in der Aerodynamik häufig vorkommen, lassen sich analog praktisch nicht realisieren. Die rein digitale Simulation hat ebenfalls wesentliche Nachte i 1e. Bei der Simulation von Fluggeräten besteht die Notwendigkeit, einen Flugregler simulieren zu können. Würde man diese Reglersimulation digital durchführen, so müßte bei jeder Änderung eines Reglerparameters eine Lochkarte eingelesen werden. Führt man die Reglersimulation dagegen analog durch, so kann man durch einfaches Verändern von Potentiometern die Reglerparameter verändern. 19 Aus obigen Gründen kommt man fast zwangsläufig zum Hybridrechner, in dessen Digitalteil man das mathematische Modell ablaufen läßt und in dessen Analogteil man den Regler (mit Stellmotoren) simuliert. 4. Rechnerkonfiguration Im Hause Dornier steht eine komplette Hybridrechenanlage zur Verfügung, bestehend aus: Digitalrechner Analogrechner Interface SDS 9300 mit entsprechender Peripherie BECKMANN EASE 2133 BECKMANN mit AD/DA-Wandlern, Interruptleitungen usw. Fluglenkstand DORNIER Symbolgenerator mit Display DORNIER ferner Dreiachsentisch, verschiedene Schreiber usw. 5. Programmiersprache Für obige Rechnerkonfiguration existiert ein Hauptprogramm IIHYBRI'oMASTER II , welches alle notwendigen Steuerfunktionen des Hybridrechners erledigt (z.B. Taktsteuerung, Modesteuerung des Analogrechners usw.) und es erlaubt, das eigentliche Problem (mathem. Modell) in Form von FORTKÄNUnterprogrammen zu schreiben. Es gelten dabei natürlich die bekannten Vorteile der Fortranprogrammierung (schnelle Programmierbarkeit, leichte Lesbarkeit, leichtes Testen usw.) 6. Modesteuerung durch HYBRIDMASTER Durch Tastendruck k~nnen folgende Zustände des Hybridrechners aufgerufen werden: PARASET Ana log r e c hne r i m r~ 0 deli Pot set 11, Set zen der Potentiometer durch den Digitalrechner oder von Hand, Einlesen von Parametern 20 7. IC (INITIAL CONDITION) Analogrechner im Mode "Anfangsbedingungen setzen"; Durchlaufen eines Programmteiles, wodurch alle Anfangsbedingungen des mathem. Modells und des Analogrechners eingestellt werden. COMPUTE Durchlaufen des mathem. Modells (eigentliche Simulation) und ADjDA-Wandlung in einer vorgegebenen Taktzeit (Analogrechner im Mode "Dauerrechnen"). HOLD HEinfrieren" des momentanen Simulationszustands (Analogrechner im Mode "Ha 1t") DIAGN Ausgabe einer Diagnostik ,des " e ingefrorenen" Simulationszustandes (Compute Diagnostik) bzw. des IC-Zustandes (IC-Diagnostik). Zeitlicher Ablauf innerhalb eines Taktschrittes, Echtzeit erzielbare Taktzeiten Hybridsimulationen werden sinnvollerweise nur dann angewandt, wenn das Problem (Simulation eines Fluggerätes) in Echtzeit ablaufen soll. Da das mathematische Modell, in FORTRAN geschrieben, kefne konstante Laufzeit aufweist (variable Laufzeit bei DO-Loops, Interpolationen usw.), muß ein externer Taktgeber dafür sorgen, daß die Zeit zum einmaligen Durchlaufen des mathematischen Modells immer konstant bleibt (s. Schaubild "Z e itablauf innerhalb einer Taktzeit"). Die wichtigsten, bei Dornier durchgeführten Hybridsimulationen weisen Programml[ngen zwischen 8 - 20 kWorten Kernspeicherbedarf auf. 21 Es sind dies die Simulationen: DO 31, KIEBITZ, AERODYNE, HOEHENFORSCHUNGSRAKETE usw. Die Taktzeiten obiger Simulationen liegen zwischen 10 und 40 ms (100 - 25 Hz), wobei meist 40 ms erreicht wurden (10 ms nur in speziellen Fällen). Diese Taktzeiten sind klein genug, um vernünftige Integrationen der Beschleunigungen zu erhalten und um ein Display mit einer vernünftigen Bildfrequenz anzusteuern. 8. Intergration von Echtteilen in den Simulationsablauf Wenn das Simulationsmodell durch Windkanalmessungen usw. soweit verfeinert ist, daß man von einer Endphase der Simulation sprechen kann, geht man daran, Echtteile in den Simulationsprozeß einzubeziehen: a. Integration des echten Flugreglers (der Analogteil des Hybridrechners übernimmt nur noch die Anpassung). Hiermit können etwaige Fehler des echten Reglers beseitigt werden (Wegfall der Simulation des Reglers). ~ b. Integration von Rudermaschinen, Rudergestängen (Lose im Gestänge l) und Ruder, wobei Ruderwinkel mittels Potentiometer direkt am Ruder abgegriffen werden. (Wegfall der Simulation der Rudermaschinen, Zeitkonstante!) c. Integration der Meßpakete Lotkreisel und Wendekreisel: Hierzu müssen die Fluglagen des Fluggerätes, die durch das mathematische Modell geliefert werden, auf einen Dreiachsentisch gegeben werden, auf dem Lot- und Wendekreisel montiert sind. Lot- und Wendekreisel liefern nun die echten Fluglagen bzw. Drehgeschwindigkeiten, die vom Flugregler benötigt werden. (Wegfall der Simulation der Hysterese des Lot-O 22 kreisels und der Meßungenauigkeiten der WendeKreisel). In diesem Stadium der Simulation bleibt vom Hybridrechner nichts mehr Ubrig. Es werde·n nur noch Flugmechanik und Aerodynamik mittels des mathematischen Modells im Digitalrechner simuliert. Der Hybridrechner ist Ubergegangen in einen Prozeßrechner mit entsprechender Peripherie. 9. Grenzen der Hybridsimulation, Ausblick Die wesentlichste Grenze der Hybridsimulation liegt wohl darin, daß wegen Mindestanforderungen an das mathematische Modell eine bestimmte Programmlänge und damit eine Mindesttaktzeit nicht unterschritten werden kann. Das Shannon1sche Abtasttheorem sagt aus, daß die Taktfrequenz mindestens um den Faktor 2 höher sein muß, als die höchste Eigenfrequenz des mathematischen Modells. Die Praxis hat gezeigt, daß dieser Faktor nicht bei 2 sondern zwischen 6 und 7 liegt. Bei